Automatisierte Rechnungs- und Postprozesse
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Weitestgehend automatisierte Eingangspost- und Eingangsrechnungsbearbeitung
Ein Prozesshandbuch beschreibt den optimalen, weitestgehend automatisierten Ablauf der Eingangspostbearbeitung und Eingangsrechnungsbearbeitung (Accounts Payable) – mit besonderem Fokus auf die Anforderungen des Facility Managements (FM) und deren Schnittstellen zu Einkauf, Finanzbuchhaltung, Controlling, Recht/Compliance, IT sowie Datenschutz. Weitere Automatisierungen sind möglich.
Verfahrensdokumentation für automatisierte Eingangspost
- Rechnungseingangsprozess
- Abkürzungsverzeichnis
- Digitale Eingangspost-
- Normativer Rahmen
- Rollenmodell und RACI
- RACI‑Matrix (Hauptprozess)
- Prozesslandkarte
- Teilprozess P1 - Zielsetzung
- Teilprozess P1 - Prozessschritte P1
- Teilprozess P2: Eingangsrechnungsbearbeitung
- Prozessschritte P2 (Standard)
- KPIs
- Teilprozess P3: Vorgelagerte Prozesse
- FM‑Spezialfall
- Teilprozess P4: Sonderfälle
- Preis-/Mengenabweichungen
- Internes Kontrollsystem (IKS)
- KPI‑Grundsätze
- Verfahrensdokumentation (GoBD)
- Arbeitsanweisungen (SOP)
- SOP – FM‑Fachprüfung
- Benefits
- Umsetzungsvorgehen
- Anlagen
- Checkliste
- Prüfpunkt Ergebnis (OK / NOK / Kommentar)
- SLAs
- Mindestdatensatz (Indexfelder)
Ein moderner Rechnungseingangsprozess ist kein isolierter Buchhaltungsablauf, sondern das Ergebnis vorgelagerter, sauberer Prozesse (Vertrag, Bestellung, Leistungsnachweis, Abnahme) und einer durchgängigen Informationslogik. Die weitestgehende Automa
Eingangswege standardisiert und digitalisiert werden (einheitliche Post- und Rechnungsadressen, E‑Rechnungsformate).
Belege früh und vollständig digital verfügbar sind (ersetzendes Scannen / E‑Rechnung), inklusive nachvollziehbarer Metadaten.
Formale, rechnerische und sachliche Prüfungen regelbasiert und rollenbasiert erfolgen (RACI, Freigabegrenzen, Vertretungen).
Der Abgleich mit Bestellungen/Verträgen/Leistungsnachweisen systematisch erfolgt (2‑/3‑Way‑Match, Service‑Entry‑Prozesse).
Ein internes Kontrollsystem mit klaren Kontrollpunkten und KPI‑Steuerung etabliert ist.
Gerade im FM führt die Bündelung von Wartung, Störung/Notfall und projekt-/baunahen Leistungen zu einer hohen Varianz der Belege. Die Lösung ist nicht „mehr manuelle Prüfung“, sondern eine klare Typisierung (Wartung/Notfall/Projekt/Bau) mit passenden Ausnahme‑Workflows, sowie eine verlässliche Datenbasis (Auftragsnummern, Leistungsnachweise, Objekt-/Anlagenbezug).
Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| AO | Abgabenordnung |
| AP | Accounts Payable / Kreditorenbuchhaltung |
| B2B/B2C/B2G | Business to Business / Consumer / Government |
| BDSG | Bundesdatenschutzgesetz |
| BPMN | Business Process Model and Notation |
| CAFM/CMMS | Computer Aided Facility Management / Computerized Maintenance Management System |
| DMS/ECM | Dokumentenmanagementsystem / Enterprise Content Management |
| DS GVO | Datenschutz Grundverordnung |
| EDI | Electronic Data Interchange |
| ERechV | E Rechnungsverordnung (Bund) |
| EN 16931 | Europäische Norm für elektronische Rechnungen (semantisches Datenmodell) |
| ERP | Enterprise Resource Planning |
| FM | Facility Management |
| GoBD | Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff |
| GR/WE | Goods Receipt / Wareneingang |
| IKS | Internes Kontrollsystem |
| KPI | Key Performance Indicator (Kennzahl) |
| OCR/ICR | Optical / Intelligent Character Recognition |
| PO | Purchase Order (Bestellung) |
| RACI | Responsible, Accountable, Consulted, Informed |
| SES | Service Entry Sheet / Leistungsnachweis |
| SLA | Service Level Agreement |
| TR | Technische Richtlinie (z. B. BSI) |
| UStAE | Umsatzsteuer Anwendungserlass |
| UStDV | Umsatzsteuer Durchführungsverordnung |
| UStG | Umsatzsteuergesetz |
| VOB/B | Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil B |
| XRechnung | Deutscher Standard für E Rechnung im B2G Bereich, EN 16931 konform |
| ZUGFeRD | Hybridformat (PDF/A 3 + XML), EN 16931 konform |
Einleitung und Zielsetzung
Die Bearbeitung von Eingangspost und Eingangsrechnungen ist eine Querschnittsfunktion, die – korrekt aufgesetzt – einen überproportionalen Beitrag zur Steuerungsfähigkeit des Gesamtunternehmens leistet. Im Facility Management kommt eine besondere Komplexität hinzu: Viele Rechnungen beziehen sich auf verteilte Objekte/Standorte, technische Anlagen, periodische Wartungen, Störungen/Notfälle oder projekt-/baunahe Leistungen. Ohne strukturierte, digitale Prozesse entstehen Medienbrüche, Liegezeiten und Prüfungs‑/Audit‑Risiken.
Ziel ist die Beschreibung eines „optimalen“ End‑to‑End‑Ablaufs, der weitestgehend automatisiert ist, aber dort bewusst menschliche Entscheidungen vorsieht, wo Recht, Wirtschaftlichkeit oder Risikomanagement dies erfordern (z. B. sachliche Prüfung, Budget-/Investitionsentscheidungen, Sonderfälle).
Das Handbuch umfasst:
Eingangspostbearbeitung (physische Post, E‑Mail, Portale, EDI, E‑Rechnung, interne Post) als „Digital Mailroom“.
Eingangsrechnungsbearbeitung (Kreditorenprozess) einschließlich Prüfungen, Freigaben, Buchung, Zahlung und Archivierung.
Vorgelagerte Prozesse (Verträge, Bestellung, Leistungserfassung/Abnahme), die Voraussetzung für eine vertragsgemäße Rechnungslegung sind.
Sonderfälle (Mahnungen, Gutschriften, Stornos, Reklamationen) und FM‑Spezialfälle (Wartung, Notfall, Projekt/Bau).
Verfahrensdokumentation (GoBD), Arbeitsanweisungen und KPI‑/IKS‑System.
Die folgenden Leitprinzipien steuern den Entwurf:
Digital first: Belege werden so früh wie möglich digital verfügbar gemacht (E Rechnung oder frühes Scannen).
Einmalige Datenerfassung („Once only“): Stammdaten, Bestelldaten und Rechnungsdaten werden nicht mehrfach manuell erfasst.
Regelbasiert vor individuell: Standardfälle laufen regel- und workflowgestützt („Touchless/Low Touch“); Ausnahmen laufen in klaren Ausnahmeprozessen.
Trennung von Aufgaben und Rollen: Sachliche Prüfung, Buchung und Zahlungsfreigabe sind organisatorisch und systemisch sauber getrennt (IKS).
Transparenz und Steuerung: Jeder Beleg ist statusgeführt, durchsuchbar, auswertbar (Durchlaufzeiten, Engpässe, Skonto, Ausnahmen).
New Work: Dezentral arbeitende Teams erhalten digitale, mobile, asynchrone Freigabe- und Kollaborationsmöglichkeiten – ohne Medienbrüche.
Praxisbezug (typische Ist‑Probleme)
Praxisanalysen zeigen häufig wiederkehrende Muster: papierbasiertes Arbeiten, Ausdruck auch digital eingehender Rechnungen, unklare Zuständigkeiten bei Mahnungen, fehlende Lieferantenvorgaben (zentrale Rechnungsadresse, Pflicht zur Bestellnummer), spätes Scannen ohne Nutzung des Automatisierungspotenzials, sowie fehlende Transparenz zu Durchlaufzeiten und Prozesskosten.
Umsatzsteuerrecht und Rechnungsanforderungen
Für die Eingangsrechnungsbearbeitung sind insbesondere die umsatzsteuerlichen Rechnungsanforderungen maßgeblich. § 14 UStG definiert den Begriff der Rechnung und unterscheidet seit dem 1. Januar 2025 ausdrücklich zwischen elektronischer Rechnung (strukturierte E‑Rechnung) und „sonstiger Rechnung“ (z. B. Papier oder unstrukturiertes PDF). Die Pflichtangaben ergeben sich insbesondere aus § 14 Abs. 4 UStG sowie ergänzend aus UStDV/UStAE.
Für ein automatisiertes Verfahren bedeutet das:
Formale Pflichtangaben müssen maschinell prüfbar sein (Vollständigkeit, Plausibilität).
Bei E‑Rechnungen müssen die Pflichtangaben im strukturierten Teil enthalten sein; Anhänge können ergänzen, Links nach extern reichen nicht als Ersatz.
Validierung gegen Format- und Geschäftsregeln (z. B. EN 16931‑Regeln, XRechnung‑Regeln) ist sinnvoll und sollte nachvollziehbar dokumentiert werden (Validierungsbericht).
Die GoBD konkretisieren, wie elektronische Unterlagen aufzubewahren sind (Unveränderbarkeit, Nachvollziehbarkeit, Dokumentation, Zugriffsmöglichkeiten). In der 2. GoBD‑Änderung (BMF 14.07.2025) wurden u. a. Anpassungen im Zusammenhang mit gesetzlichen Änderungen vorgenommen.
Für ersetzendes Scannen (papierhafte Originale werden nach qualitätsgesichertem Scan vernichtet) gilt: Es ist möglich, sofern das Verfahren organisatorisch und technisch so gestaltet ist, dass Authentizität, Integrität, Vollständigkeit und Lesbarkeit gewährleistet sind. In der Praxis wird dies durch eine dokumentierte Scan‑Organisation, Qualitätskontrollen, Protokollierung und ein revisionssicheres Archiv unterstützt. Eine Orientierung bieten z. B. Muster‑Verfahrensdokumentationen der berufsständischen Organisationen und behördliche Empfehlungen.
Datenschutz, Informationssicherheit und Compliance
Eingangspost und Rechnungen enthalten regelmäßig personenbezogene Daten (z. B. Ansprechpartner, Kontaktdaten, Bankverbindungen). Deshalb sind DS‑GVO und BDSG einzuhalten. Wesentlich sind u. a. Zweckbindung, Datenminimierung, Zugriffskonzepte, Auftragsverarbeitung bei Dienstleistern (z. B. Scan‑Dienstleister), Löschkonzepte und technische/organisatorische Maßnahmen (TOM). Schon die Analyse und Prozessaufnahme sollte personenbezogene Daten nur in dem Umfang nutzen, der zwingend erforderlich ist.
Darüber hinaus sind Informationssicherheitsanforderungen (z. B. ISO/IEC 27001‑Logik), Berechtigungsmanagement, Protokollierung, sowie – je nach Branche – zusätzliche Compliance‑Anforderungen (z. B. Interne Revision, IDW‑Prüfungsstandards für IT‑Systeme, Richtlinien zur Geldwäscheprävention oder Sanktionslistenprüfungen) zu berücksichtigen.
Für die Zielgestaltung sind insbesondere folgende Normen/Standards relevant:
EN 16931: Semantisches Datenmodell für elektronische Rechnungen (EU‑weiter Standard).
XRechnung: Deutsche CIUS/Umsetzung für B2G, EN 16931‑konform.
ZUGFeRD: Hybridformat (PDF/A‑3 + eingebettetes XML), EN 16931‑konform.
DIN 66399: Sicherheitsstufen für Datenträgervernichtung (relevant bei Vernichtung von Papieroriginalen).
ISO 15489 (Records Management) und ISO 27001 (Informationssicherheit) als bewährte Referenzrahmen.
Ein automatisierter Prozess steht und fällt mit klaren Rollen. Die folgenden Rollen sind generisch formuliert und können je nach Organisationseinheit zusammengefasst oder getrennt werden.
| Rolle | Kernaufgaben |
|---|---|
| Poststelle / Digital Mailroom | Entgegennahme, Öffnung, Scan, Klassifikation, Erstverteilung von Eingangspost; Betrieb der Eingangskanäle. |
| AP Team (Kreditorenbuchhaltung) | Formale Prüfung, Systemerfassung/Validierung, Buchung, Zahlungssteuerung, Lieferantenkommunikation bei rechnungsbezogenen Themen. |
| Einkauf / Procurement | Bestellprozess, Vertrags-/Rahmenvertragsmanagement, Lieferanten-Onboarding, Bestellung/Call off, Preis-/Konditionspflege. |
| FM Fachprüfung (Gewerkleitung) | Sachliche Prüfung, Leistungsnachweis, Mängelrüge, Objekt-/Anlagenbezug, technische Abnahme. |
| FM Leitung / Budgetverantwortliche | Budgetfreigaben, zweite Freigabestufe, Priorisierung, Eskalationen. |
| Projekt-/Bauleitung | Abnahme/Teilabnahmen, Aufmaß, Nachträge, Kostensteuerung CAPEX, VOB nahe Prüfungen. |
| Controlling | Budgetprüfung, Periodenabgrenzung, Reporting, Kostenstellen-/Projektlogik. |
| IT / Systembetrieb | Schnittstellen, Rechte/Rollen, Systemmonitoring, Release /Change Management. |
| Datenschutz / Informationssicherheit | DS GVO Konformität, TOM, AV Verträge, Lösch- und Berechtigungskonzepte. |
| Interne Revision / Compliance | Prüfbarkeit, IKS Design, Audit Begleitung, Kontrolltests. |
RACI‑Matrix (Beispiel) – Anpassung an Organisationsstruktur erforderlich
| Prozessschritt | Poststelle | AP | Einkauf | FM Fach | Budgetv. | Controlling | IT | DSB/IS | Revision |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kanalmanagement & Lieferantenregeln | C | A/R | A/R | C | I | C | C | C | C |
| Post-/Rechnungseingang registrieren | A/R | A/R | I | I | I | I | C | C | I |
| Digitalisierung (Scan/E Rechnung Import) | A/R | C | I | I | I | I | C | C | I |
| Klassifikation & Datenerkennung | R | A | I | C | I | I | C | C | I |
| Formale Prüfung (UStG, Dublette) | I | A/R | C | I | I | I | C | C | C |
| Abgleich PO/Vertrag/Leistung (Match) | I | R | A/R | C | I | C | C | I | I |
| Sachliche Prüfung / Abnahme | I | C | C | A/R | A | C | I | I | I |
| Kontierung & Buchung | I | A/R | C | C | C | C | C | I | C |
| Zahlungsfreigabe & Zahllauf | I | A/R | I | I | C | C | C | I | C |
| Archivierung & Aufbewahrung | R | A | I | I | I | I | C | A/C | C |
| Mahnwesen / Reklamation | I | A/R | C | C | A/C | C | I | I | I |
| KPI Reporting & Continuous Improvement | I | A/R | C | C | A | A/R | C | C | C |
Legende
RACI-Matrix Hauptprozess
Klare Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten strukturiert den Hauptprozess und unterstützt transparente Steuerung und effiziente Zusammenarbeit.
Responsible (ausführend), A = Accountable (endverantwortlich), C = Consulted (zu beteiligen), I = Informed (zu informieren).
Zielarchitektur (unternehmens- und produktneutral)
Die Zielarchitektur lässt sich unabhängig von konkreten Produktentscheidungen in Funktionsbausteine gliedern. Diese Bausteine können on‑premises oder cloudbasiert betrieben werden, sofern Datenschutz, Informationssicherheit und vertragliche Anforderungen erfüllt sind.
Zielarchitektur – Funktionsbausteine
| Baustein | Funktion |
|---|---|
| Eingangskanäle | Post, E Mail, Portale, EDI/Peppol, Upload Formulare, E Rechnung (XRechnung/ZUGFeRD/EN16931 CIUS). |
| Digital Mailroom | Scanstraße, OCR/ICR, Klassifikation, Metadaten, Barcode/QR, Qualitätskontrolle, Erstverteilung. |
| Invoice Capture & Validation | Strukturierte Extraktion/Parsing, Pflichtfeldprüfung, Dublettenprüfung, Validierung gegen Formatregeln. |
| Workflow & Case Management | Regelbasierte Steuerung, Aufgabenlisten, Eskalationen, Vertretungen, mobile Freigaben, Audit Trail. |
| ERP/AP Kernsystem | Buchung, Kontierung, Zahlungsbedingungen, Zahllauf, Stammdaten. |
| CAFM/PM System (FM) | Auftrags-/Anlagen-/Objektbezug, Leistungsnachweise, Wartungspläne, Störungsaufträge, Projektstrukturen. |
| Archiv/Records Management | Revisionssichere Ablage, Aufbewahrungs-/Löschfristen, Volltextsuche, Exportfähigkeit (Prüfung). |
| Analytics/KPI | Durchlaufzeiten, Touchless Quote, Skonto Realisierung, Ausnahmegründe, Belastungssteuerung. |
| Integrationsschicht | Schnittstellen/ETL, Stammdaten-Synchronisation, Monitoring, Fehlerhandling. |
Die Prozesslandkarte gliedert den Gesamtprozess in drei Ebenen:
Ebene 0: Gesamtprozess (Eingangspost & Rechnung, E2E).
Ebene 1: Teilprozesse (Digital Mailroom, Invoice Processing, Procure‑to‑Pay‑Vorprozesse).
Ebene 2: Prozessschritte (standardisiert, mit definierten Inputs/Outputs und Kontrollen).
Prozesslandkarte – Ebenen und Zweck
| Prozess-ID | Teilprozess | Zweck/Ergebnis |
|---|---|---|
| P0 | Steuerung & Governance | Regelwerk, Rollen, IKS, KPI System, Lieferantenkommunikation. |
| P1 | Eingangspost (Digital Mailroom) | Entgegennahme, Digitalisierung, Klassifikation, Verteilung, Archiv. |
| P2 | Eingangsrechnungsbearbeitung (AP) | Validierung, Match, Freigabe, Buchung, Zahlung, Archiv. |
| P3 | Vorgelagerte Prozesse (P2P) | Vertrag/Bestellung, Wareneingang/Leistung, Abnahme, Nachtragsmanagement. |
| P4 | Sonderfälle & Eskalation | Mahnungen, Gutschriften, Reklamationen, Stornos, Sperren, Betrugsprävention. |
| P5 | Reporting & Verbesserung | KPI Cockpit, Root Cause Analysen, Prozessanpassungen, Training. |
Die Digital‑Mailroom‑Funktion verfolgt drei Kernziele:
Geschwindigkeit: Eingangspost ist unmittelbar digital verfügbar (Sofort‑Verfügbarkeit statt Umlauf).
Qualität: Einheitliche Klassifikation und Metadaten erhöhen Auffindbarkeit und senken Fehler.
Compliance: Nachvollziehbarkeit, Datenschutz, sichere Vernichtung und GoBD‑Konformität.
| Schritt | Bezeichnung | Zweck/Kurzbeschreibung | Input | Output | Rolle/Frequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| P1 01 | Kanalmanagement & Adressierung | Festlegung zentraler Postadressen, E Mail Postfächer, Upload Kanäle; Kommunikation an Lieferanten/Partner; Sperrlisten (z. B. „nicht an Privatadressen“). | Organigramm, Lieferantenliste | Adress- und Kanalregeln, SLA | Poststelle (R), Compliance/DSB (C) | Jährlich/bei Bedarf |
| P1 02 | Eingang & Eingangsbuch | Registrierung (Datum/Uhrzeit/Kanal); Zuordnung zu Vorgängen/Objekten, soweit möglich; Kennzeichnung sensibler Post. | Poststücke, E Mails | Eingangsliste, Vorfall-ID | Poststelle (R) | Täglich |
| P1 03 | Öffnen & Vorsortieren | Öffnen physischer Post, Trennung von Originalen/Beilagen; Vorsortierung nach Dokumentklasse (Rechnung, Vertrag, Personal, sonstiges). | Poststücke | Vorsortierte Stapel | Poststelle (R) | Täglich |
| P1 04 | Digitalisierung (Scan) | Scan nach definierten Qualitätsparametern (Auflösung, Farbe, Duplex), Barcode/Index; sichere Ablage des Digitalisats. | Vorsortierte Stapel | PDF/A bzw. Scanimage + Metadaten | Poststelle/Scanteam (R) | Täglich |
| P1 05 | Klassifikation & Indexierung | Automatische/halbautomatische Klassifikation und Extraktion (Betreff, Absender, Dokumenttyp, Objekt/Anlage, Vertrags-/Auftragsnummer). | Digitalisat | Dokument + Index | Mailroom-System (A), Poststelle (R) | Täglich |
| P1 06 | Qualitätskontrolle (QC) | Stichproben/Regelprüfungen: Vollständigkeit, Lesbarkeit, Seitenreihenfolge, Zuordnung; Nachscan bei Fehlern. | Dokument + Index | Freigegebenes Dokument | Poststelle (R), Revision (C) | Täglich/Stichprobe |
| P1 07 | Erstverteilung / Workflow | Zuweisung in Fach-Workflows (z. B. Rechnung, Vertrag, Ticket); SLAs/Eskalationen; Benachrichtigungen. | Freigegebenes Dokument | Work Item im System | Workflow-System (A), Poststelle/AP (R) | Täglich |
| P1 08 | Originalhandling | Entscheidung: ersetzendes Scannen mit Vernichtung oder Aufbewahrung/Rückgabe (z. B. notarielle Dokumente, Verträge). | Papieroriginale | Vernichtungsnachweis/Archiv | Poststelle (R), DSB/Compliance (C) | Nach Regelwerk |
| P1 09 | Archivierung & Records | Ablage nach Aktenplan, Aufbewahrungsfristen, Löschkonzept; Zugriffskontrolle. | Dokument + Metadaten | Revisionssicherer Archivdatensatz | Records Mgmt (A), IT (C) | Kontinuierlich |
Typische Risiken in der Eingangspost sind Verlust, unberechtigter Zugriff, unvollständige Digitalisierung oder fehlerhafte Zuordnung. Daraus ergeben sich Kontrollpunkte:
Eingangsbuch/Tracking: jedes Poststück ist statusgeführt.
Scan‑QC: definierte Stichprobe + Fehlerquote; Nachscan‑Prozess.
Zugriffskonzepte: Rollenbasierte Berechtigungen, besonders für sensible Klassen (Personal, Compliance‑Hinweise).
Vernichtungsfreigabe: Papieroriginale werden nur nach dokumentierter QC und Regelwerk vernichtet.
Auftragsverarbeitung: bei externem Scan‑Dienstleister (AV‑Vertrag, TOM, Auditrechte).
KPIs Eingangspost (P1) – Definitionen
| KPI | Definition / Messpunkt | Zielwert (Beispiel) |
|---|---|---|
| Durchlaufzeit Post (Median) | Zeit von Eingang bis digital verfügbar im Workflow | Ziel: < 4 Stunden (digital), < 24 Stunden (physisch) |
| Fehlerquote Scan/QC | Anteil fehlerhafter Digitalisate (fehlende Seiten, Unlesbarkeit) | Ziel: < 0,5 % |
| Klassifikationsgenauigkeit | Trefferquote Dokumentklassen | Ziel: > 95 % bei stabilen Klassen |
| Touchless-Verteilquote | Anteil der Dokumente, die ohne manuelle Zuordnung korrekt zugewiesen werden | Ziel: > 80 % (nach Lernphase) |
Zielsetzung und Grundlogik
Rechtssicherheit (Rechnung als steuerlicher Nachweis; GoBD konforme Aufbewahrung; Audit Trail).
Wirtschaftlichkeit (geringe Prozesskosten je Rechnung; Skonto Nutzung; Vermeidung von Mahnkosten).
Steuerungsfähigkeit (Transparenz über Kosten, Budgets, Verbindlichkeiten, Leistungsstände).
Automatisierung ist dabei kein Selbstzweck. Sie wird dort eingesetzt, wo Regeln eindeutig sind (Pflichtfelder, Dubletten, 2‑/3‑Way‑Match, Skonto‑Termine, Betragsgrenzen), und sie schafft Zeit für die sachliche Prüfung in Ausnahmefällen.
Eingangskanäle und E‑Rechnungspflicht
Ab 1. Januar 2025 ist bei Umsätzen zwischen inländischen Unternehmern grundsätzlich eine E‑Rechnung (strukturiert, maschinenlesbar) zu verwenden; Papier und unstrukturiertes PDF sind dann „sonstige Rechnungen“ und nur im Rahmen von Ausnahmen/Übergängen zulässig (vgl. BMF FAQ E‑Rechnung, Stand 10/2025; BMF 15.10.2025). Für öffentliche Auftraggeber (B2G) gelten daneben eigenständige Vorgaben (z. B. ERechV, XRechnung‑Pflichten).
Für die Prozessgestaltung folgt daraus:
Unternehmen müssen E‑Rechnungen empfangen können (technische Empfangsfähigkeit).
Die bevorzugten Formate sollten klar benannt und validierbar sein (z. B. XRechnung, ZUGFeRD ab Profil EN 16931‑konform).
Für „sonstige Rechnungen“ (Übergangs- und Ausnahmenfälle) bleibt ein Scan/OCR‑Prozess erforderlich.
Die strukturierte Komponente ist führend und muss unverändert aufbewahrt werden (vgl. BMF 15.10.2025, Rn. 60).
P2‑Standardprozess – Schritte, Inputs/Outputs, Rollen und Frequenzen
| Schritt | Bezeichnung | Zweck/Kurzbeschreibung | Input | Output | Rolle/Frequenz |
|---|---|---|---|---|---|
| P2 00 | Lieferanten-Onboarding & Kanalregeln | Lieferant erhält verbindliche Regeln: zentrale Rechnungsadresse, zulässige Formate (E Rechnung), Pflicht zur Bestell-/Auftragsnummer, Ansprechpartner für Rückfragen; Stammdatenprüfung (IBAN, USt ID, Anschrift). | Lieferantenstammdaten, Vertragsdaten | Onboarded Supplier + Regeln | Einkauf (A/R), AP (C), DSB (C) | Wiederkehrend |
| P2 01 | Rechnungseingang & Registrierung | Eingang über definierte Kanäle; automatische Erfassung im Eingangsbuch (Zeitpunkt, Kanal, Absender); eindeutige Beleg-ID. | E Rechnung/XML, PDF, Papier | Beleg-ID, Eingangstimestamp | Digital Mailroom/AP (R) | Täglich |
| P2 02 | Format- & Integritätsprüfung | Prüfung, ob E Rechnung formal gültig ist (Syntax/Schema), ob Datei unverändert/lesbar; bei PDF/Scan: Dateiintegrität, Malware Check. | Rechnungsdatei | Validierungsstatus, ggf. Fehlerbericht | AP (A/R), IT (C) | Täglich |
| P2 03 | Datenerkennung/Parsing | Extraktion der Rechnungsdaten: Kreditor, Rechnungsnummer, Datum, Beträge, USt Sätze, Zahlungsbedingungen, Positionen; bei E Rechnung direkte Übernahme aus strukturiertem Teil. | Rechnungsdatei | Strukturierter Datensatz | Invoice Capture (A), AP (R) | Täglich |
| P2 04 | Formale Prüfung (UStG) & Dublettencheck | Regelbasierte Pflichtfeldprüfung, Plausibilitäten (z. B. negative Beträge nur als Gutschrift), Dublettencheck (Kreditor+Rechnungsnr.+Betrag+Datum). | Datensatz | OK/Exception | AP (A/R) | Täglich |
| P2 05 | Matching: PO/Vertrag/Leistung | Automatischer Abgleich gegen Bestellung/Vertrag (2 Way) und Wareneingang/Leistungsnachweis (3 Way/SES). Toleranzen (Preis/Menge) regelbasiert. | Datensatz, PO/Vertrag, GR/SES | Match OK / Klärfall | AP (R), Einkauf/FM (C) | Täglich |
| P2 06 | Sachliche Prüfung (FM/Fachbereich) | Prüfung der Leistungserbringung: Vertragstreue, Umfang, Qualitätsmängel, Leistungszeitraum, Objekt-/Anlagenbezug; Nachweis (z. B. Wartungsprotokoll, Aufmaß, Stundenzettel). | Rechnung + Nachweise | Sachlich OK / Reklamation | FM Fach (A/R), Projektleitung (A/R) | Fallbezogen |
| P2 07 | Kontierung & Budgetprüfung | Vorkontierung automatisiert aus Stammdaten, Objekt-/Anlagenbezug, Vertrags-/PO Daten; Budgetprüfung gegen Kostenstelle/Projekt; CAPEX/OPEX Logik. | Datensatz + Kontext | Kontierungsvorschlag / Budgetstatus | Controlling (C), AP (A/R) | Täglich |
| P2 08 | Rechnerische Prüfung & Freigabeworkflow | Freigabe gemäß Freigabegrenzen, Vertretungsregeln, Vier Augen Prinzip; digitale Freigabe mit Audit Trail. | Work Item | Freigabestatus | Budgetverantwortliche (A), FM Leitung (R), AP (C) | SLA-gesteuert |
| P2 09 | Buchung im ERP/AP System | Erzeugung Buchungssatz, Steuerkennzeichen, Zahlungsbedingungen; Übergabe an Zahllauf; Protokollierung. | Freigegebene Rechnung | Gebuchte Verbindlichkeit | AP (A/R) | Täglich |
| P2 10 | Zahlungssteuerung & Zahllauf | Automatische Skonto Berechnung, Skonto Optimierung, Zahlungsläufe; Ausnahmefälle (Bankänderung, Sperren) kontrolliert. | Offene Posten | Zahlung + Zahlungsprotokoll | Treasury/AP (A/R) | Wöchentlich/Täglich |
| P2 11 | Archivierung & Aufbewahrung | Revisionssichere Archivierung inkl. strukturierter E Rechnung und Anhänge; Aufbewahrungsfristen; Zugriff für Prüfungen. | Beleg + Audit Trail | Archivdatensatz | Records/IT (A), AP (R) | Automatisch |
| P2 12 | Nachbearbeitung/Exceptions | Klärfälle: fehlende Bestellnummer, Preisabweichung, fehlender Leistungsnachweis, Mahnung, Gutschrift; strukturierte Kommunikation mit Lieferant und intern. | Exception | Geklärter Fall / Eskalation | AP (A/R), Einkauf/FM (C) | SLA-gesteuert |
Die Automatisierung schafft pro Stufe spezifischen Mehrwert:
Dublettenprüfung (systemisch, vor Buchung).
„Supplier Master Data Change Control“: Änderungen an IBAN/Adresse nur mit Vier‑Augen‑Prinzip und Protokoll.
Toleranzregeln (Preis/Menge) dokumentiert und regelmäßig reviewt.
Freigabegrenzen & Vertretungen: nachvollziehbar, genehmigt, revisionssicher protokolliert.
Zahlungsfreigabe getrennt von sachlicher Prüfung.
Archiv: strukturierter Teil der E‑Rechnung unverändert; Anhänge mitgeführt; Zugriff für Finanzbehörden möglich.
| KPI | Definition / Messpunkt | Zielwert (Beispiel) |
|---|---|---|
| Durchlaufzeit Rechnung (Median) | Zeit von Eingang bis Buchung (oder Zahlung), getrennt nach Standard/Exception | Ziel: Standard < 3 Tage, Exception < 10 Tage |
| Touchless Quote | Anteil der Rechnungen ohne manuelle Datenerfassung und ohne Ausnahmeworkflow | Ziel: > 60 % (stark abhängig von P2P Reifegrad) |
| Exception Rate | Anteil der Rechnungen, die in Klärfälle laufen (fehlende PO, Abweichung, fehlender Nachweis) | Ziel: < 20 % |
| Skonto Realisierung | Realisierter Skonto / möglicher Skonto (in € oder %) | Ziel: > 80 % |
| Kosten je Rechnung | Vollkosten (FTE+IT+DL) / Anzahl Rechnungen | Ziel: kontinuierlich sinkend |
| First Pass Yield | Anteil der Rechnungen, die ohne Rückfrage beim ersten Durchlauf freigegeben werden | Ziel: > 85 % |
Warum vorgelagerte Prozesse über Automatisierung entscheiden
Die Automatisierung im Rechnungseingang ist mathematisch begrenzt durch die Datenqualität im Vorprozess. Wo keine eindeutige Bestell-/Auftragsnummer existiert, wo Preise/Konditionen nicht systemisch hinterlegt sind oder wo Leistungsnachweise fehlen, entsteht zwangsläufig ein Klärfall. Best Practice ist deshalb: Rechnungseingang als Teil eines integrierten Procure‑to‑Pay‑Prozesses (P2P) zu betrachten.
Praxisanalysen zeigen, dass ohne externe Vorgaben an Lieferanten (zentrale Rechnungsadresse, korrekte Firmierung, Pflicht zur Bestellnummer) der Eingang ungerichtet ist und Mahnungen/Fehladressierungen viel interne Arbeit erzeugen.
Der Standardprozess lässt sich in fünf Phasen gliedern:
Bedarf (FM‑Ticket, Maßnahme, Investitionsantrag)
Bestellung/Beauftragung (PO/Call‑off) inkl. Konditionen
Leistungserbringung (inkl. Liefer-/Leistungsnachweis)
Abnahme / sachliche Bestätigung (SES)
Rechnung / Zahlung (P2)
Vertrags-/Bestellanforderungen zur Minimierung von Klärfällen
| Anforderung | Konkrete Ausprägung / Nutzen |
|---|---|
| Eindeutige Referenzen | Bestellnummer/Auftragsnummer, Vertragsnummer, Objekt-/Anlagen-ID; Pflicht zur Angabe auf der Rechnung. |
| Preis- und Leistungsklarheit | Einheitspreise, Pauschalen, Leistungsumfang, Material-/Stundenlogik, Nachtragsregeln; eindeutige Leistungsbeschreibung. |
| Leistungsnachweise | Wartungsprotokoll, Störungsbericht, Aufmaß, Stundenzettel, Lieferschein; digital verfügbar und zuordenbar. |
| Abnahme-/Freigabeprozesse | Wer darf Leistungen abnehmen? Welche Betragsgrenzen? Wie werden Teilabnahmen dokumentiert? |
| Zahlungskonditionen | Skonto, Zahlungsziele, Abschlags-/Schlussrechnung, Skonto nur bei bestimmter Leistung? |
| Compliance-Klauseln | Datenschutz bei Dienstleistern, Subunternehmer, Dokumentationspflichten, Zutrittsregelungen, Arbeitsschutz. |
| Kommunikationskanäle | Zentrale Rechnungsadresse, zentrale Rückfrageadresse, Portal/Peppol Endpoint, Eskalationsweg. |
Wartungsleistungen sind prädestiniert für Automatisierung, wenn sie als Rahmenvertrag mit definiertem Leistungsplan, Terminplan und Preislogik abgebildet werden. Best Practice:
Rahmenvertrag + jährlicher/monatlicher Abruf (Blanket‑PO) je Objekt/Anlage.
Leistungsnachweis digital (Wartungsprotokoll als Anhang oder Referenz im System).
Rechnungsprüfung über Vertrags-/Planerfüllung und automatische Kontierung über Objekt-/Anlagenstamm.
Abweichungen (zusätzliche Leistungen) laufen als Nachtrag/Extra‑PO, nicht „versteckt“ in der Wartungsrechnung.
Notfälle erfordern Geschwindigkeit. Gleichzeitig steigt das Risiko von Umgehungen und unkontrollierten Kosten. Best Practice ist ein definierter Notfallprozess:
Sofortige Beauftragung über „Notfall‑Bestellnummer“ oder vordefinierte Notfall‑POs (pro Gewerk/Standort).
Nachträgliche, aber verpflichtende Dokumentation: Störungsbericht, Arbeitsnachweis, Material.
Klare Schwellenwerte: ab Betrag X zusätzliche Freigabe durch FM‑Leitung/Budgetverantwortliche.
„After‑Action‑Review“: regelmäßige Stichprobe (Revision/Controlling) zur Prävention von Missbrauch.
FM‑Spezialfall: Projekt / Bau (CAPEX, VOB‑nahe Logik)
Projektstruktur (PSP) und Kostenarten (CAPEX/OPEX) sind vor Leistungserbringung festgelegt.
Vertragliche Regelungen zu Abschlägen, Sicherheiten, Gewährleistungseinbehalten (VOB/B) sind systemisch abbildbar.
Rechnungsprüfung umfasst: Abgleich Aufmaß/Leistungsstand, Nachtragsfreigaben, Einbehalte.
Schlussrechnung nur nach dokumentierter (Teil‑)Abnahme; Mängelrügen laufen über definierte Prozesse.
Dokumente (Protokolle, Nachträge) werden als Projektakte geführt (Records Management).
Schnittstellenanforderungen (CAFM ↔ Einkauf ↔ AP/ERP)
Ein häufiger Effizienzverlust entsteht durch Medienbrüche zwischen FM‑Systemen (CAFM/CMMS), Bestellsystem und Finanzsystem. Best Practice ist die systemische Übergabe der Bedarfsmeldung in eine Bestellung ohne manuelles Abtippen, sowie die Rückmeldung von Buchungs- und Zahlungsstatus an das FM (Kostenfeedback).
Grundprinzip: Ausnahmeprozesse sind standardisiert
Teilprozess P4 Sonderfälle
Der Teilprozess P4 regelt Sonderfälle strukturiert, stellt Abweichungsbehandlung sicher und gewährleistet transparente Dokumentation innerhalb standardisierter Abläufe.
Ein reifer Prozess unterscheidet klar zwischen Standardfällen und Ausnahmen. Ausnahmen werden nicht „informell per E‑Mail“ gelöst, sondern über definierte Workflows mit Fristen, Verantwortlichen und Dokumentation. Das ist insbesondere für Audit‑Trails und New‑Work‑Arbeitsmodelle entscheidend.
Mahnungen (Dunning) – Prozess und Kontrollpunkte
Mahnungen sind im Kern ein Symptom: entweder fehlt die Rechnung intern, die Rechnung ist im Klärfall oder sie ist bereits bezahlt und die Mahnung ist unberechtigt. In papierbasierten Verfahren werden Mahnungen häufig ungerichtet weitergeleitet („vermutete Abteilung“) – mit langen Liegezeiten. Best Practice ist ein zentraler Mahnprozess.
Tabelle 10: Ausnahmeprozess „Mahnungen“ – Kurzschema
| Element | Beschreibung |
|---|---|
| Trigger | Eingang Mahnung (Post/E Mail/Portal). |
| Input | Mahnschreiben, referenzierte Rechnung(en), ggf. Kontoauszug/Payment Advice. |
| Soll Output | Klärung: (a) Zahlung erfolgt → Nachweis an Lieferant, (b) Rechnung fehlt → Nachfordern, (c) Rechnung in Klärung → Statusmeldung, (d) berechtigte Mahnung → priorisierte Bearbeitung. |
| Kontrollpunkte | Dublettenkontrolle, Prüfung Zahlungsstatus, Eskalation bei Skonto-/Verzugsrisiko, Dokumentation der Kommunikation. |
| KPI | Mahnquote (Mahnungen/1000 Rechnungen), Anteil unberechtigter Mahnungen, Reaktionszeit. |
Gutschriften, Stornos und Berichtigungen
Gutschriften und Stornos sind prozessual wie Rechnungen zu behandeln: Sie benötigen eine eindeutige Referenz (ursprüngliche Rechnung, Auftrag/Vertrag), eine sachliche Prüfung und eine korrekte steuerliche Behandlung. Nach Verwaltungsauffassung gelten die Regelungen zur verpflichtenden E‑Rechnung auch für Gutschriften nach § 14 Abs. 2 Satz 5 UStG. Für technische Umsetzungen ist wichtig, dass negative Beträge (Credit Notes) unterstützt werden.
Preis-/Mengenabweichungen und Nachträge
Systemische Toleranzregeln (z. B. ±1 % oder ±10 €) für Kleinstabweichungen.
„No PO – No Pay“ als Grundsatz, jedoch mit definiertem Ausnahmeprozess für Notfälle.
Nachträge (Projekt/Bau) nur nach formaler Freigabe; keine Vermischung in Standardrechnungen.
Klare Kommunikation an Lieferanten: welche Angaben fehlen, welche Frist, welche Konsequenz.
Ein automatisierter Prozess muss auch Missbrauch verhindern. Typische Controls:
Bankdatenänderungen nur über getrennte Prozesse (4‑Augen, Callback, dokumentierter Nachweis).
Lieferantensperren (z. B. Qualitätsmängel) sind systemisch abzubilden; Rechnungen laufen in Sperr‑Workflow.
Verdachtsfälle (Phishing/CEO‑Fraud) werden über definierte Eskalationspfade behandelt (Compliance/IS).
Ziel und Grundsätze
Das IKS im Rechnungseingang stellt sicher, dass Zahlungen nur für ordnungsgemäß erbrachte Leistungen und auf korrekte Empfängerkonten erfolgen, dass steuerliche Anforderungen erfüllt sind und dass Belege revisionssicher aufbewahrt werden. Automatisierung ist IKS‑Treiber: Regelprüfungen und Audit‑Trails werden systemisch erzeugt, statt nachträglich dokumentiert.
| Risiko | Kontrolle | Nachweis | Frequenz | Owner |
|---|---|---|---|---|
| Dublettenzahlung | Systemische Dublettenprüfung vor Buchung/Zahlung (Kreditor+Rechnungsnr.+Betrag). | Systemprotokoll / Exception Log | laufend | AP |
| Zahlung ohne Leistung | 3 Way Match (PO+GR/SES+Rechnung) oder sachliche Freigabe mit Nachweis. | Match Status / Freigabe Audit Trail | laufend | FM Fach / AP |
| Falsche Bankverbindung | Änderungen an Bankdaten nur mit Vier Augen Prinzip + dokumentierter Verifikation. | Change Log / Freigabebeleg | laufend | AP Stammdaten + Revision |
| Umgehung Freigabegrenzen | Workflow erzwingt Freigabestufen; Ausnahme nur über dokumentierten Notfallprozess. | Workflow Audit Trail | laufend | AP + Budgetv. |
| Steuer-/Vorsteuerfehler | Plausibilitätschecks (USt Satz, Reverse Charge Hinweise); Stichprobe durch AP/Tax. | Prüfprotokoll | monatlich | AP/Tax |
| Nicht revisionssichere Aufbewahrung | Archivierung inkl. strukturierter E Rechnung unverändert; Lösch-/Aufbewahrungsregeln. | Archiv Report | laufend | Records/IT |
| Fehlende Dokumentation ersetzendes Scannen | Dokumentierte Scan Verfahrensanweisung, QC Protokolle, Vernichtungsnachweise. | Verfahrensdoku + QC Logs | jährlich | Poststelle/Records |
KPI‑Grundsätze
KPIs dienen nicht der Überwachung einzelner Mitarbeitender, sondern der Prozesssteuerung: Engpässe erkennen, Ursachen analysieren, Regeln/Standards verbessern. Wichtig ist eine eindeutige Definition (Formel, Datenquelle, Messzeitpunkt) und eine regelmäßige Review‑Routine (z. B. monatliches Prozessboard).
| KPI | Formel | Datenquelle | Frequenz | Zielwert | Owner |
|---|---|---|---|---|---|
| Invoice Cycle Time | Median(Datum Buchung – Datum Eingang) | Workflow/ERP | wöchentlich/monatlich | < 3 Tage (Standard) | AP |
| Touchless Rate | Anzahl Rechnungen ohne manuelle Eingriffe / Gesamt | Workflow Logs | monatlich | > 60 % | AP/IT |
| Exception Rate | Anzahl Rechnungen in Ausnahme / Gesamt | Workflow Logs | monatlich | < 20 % | AP |
| First Pass Yield | Anzahl Rechnungen ohne Rückfrage / Gesamt | Workflow | monatlich | > 85 % | AP/FM |
| Skonto Capture | Realisierter Skonto / möglicher Skonto | ERP Zahlungsdaten | monatlich | > 80 % | Treasury/AP |
| Mahnquote | Anzahl Mahnungen / 1000 Rechnungen | Mailroom/Workflow | monatlich | sinkend | AP |
| Kosten je Rechnung | (FTE Kosten+IT+DL) / Anzahl Rechnungen | Controlling | quartalsweise | sinkend | Controlling |
| Backlog | Offene Work Items > SLA | Workflow | wöchentlich | < definierter Schwelle | AP/FM |
| FM Leistungsnachweisquote | Anteil FM Rechnungen mit digitalem Nachweis beim Eingang | FM System/Workflow | monatlich | > 90 % | FM Leitung |
Zweck und rechtlicher Bezug
Die Verfahrensdokumentation ist das zentrale Dokument zur Nachvollziehbarkeit des Belegprozesses. Sie beschreibt, wie Belege empfangen, verarbeitet, gespeichert, aufbewahrt und wieder auffindbar gemacht werden – inklusive der eingesetzten Systeme und Kontrollen. Sie ist Kernbestandteil der GoBD‑Konformität.
Mindestinhalte einer Verfahrensdokumentation
Allgemeine Beschreibung (Prozessziel, Geltungsbereich, Verantwortlichkeiten)
Anwenderdokumentation (Arbeitsanweisungen, Prozessschritte, Belegfluss)
Technische Systemdokumentation (Systemlandschaft, Schnittstellen, Berechtigungskonzept)
Betriebsdokumentation (Betrieb, Backups, Release‑/Change‑Management, Notfallkonzept)
Zusätzlich
IKS‑Dokumentation (Kontrollmatrix), Testnachweise (z. B. Validierungsberichte), sowie Regelwerke (Aufbewahrungs- und Löschkonzept).
Wenn Papieroriginale nach dem Scan vernichtet werden sollen, muss das Scan‑Verfahren besonders detailliert dokumentiert sein.
Scan‑Organisation (Rollen, Verantwortlichkeiten, Schulungen).
Scan‑Technik (Scanner, Auflösung, Farbmodus, Dateiformate, Barcode/Index).
Prozessschritte inkl. QC (Stichproben, Fehlerhandling, Nachscan).
Schutz vor Manipulation (Unveränderbarkeit, Protokollierung, Zugriffskontrolle).
Vernichtung (Zeitpunkt, Freigabe, Nachweis, Sicherheitsstufe nach DIN 66399).
Umgang mit Ausnahmen (Originalaufbewahrung, Rechtstitel, Verträge).
Bei Nutzung externer Scan‑Dienstleister sind zusätzlich Auftragsverarbeitungsvertrag, TOM, Transport-/Ketten‑der‑Obhut („Chain of Custody“) und Auditrechte zu dokumentieren.
Aufbewahrung elektronischer Rechnungen
Für E‑Rechnungen gilt: Der strukturierte Teil ist unverändert aufzubewahren. Anhänge (z. B. PDF mit Stundennachweisen) sind aufzubewahren, wenn sie Teil des Belegs sind. Für Umsatzsteuerzwecke reicht es nach Verwaltungsauffassung nicht aus, nur eine bildhafte Darstellung aufzubewahren; das strukturierte Original ist erforderlich.
SOP – Poststelle / Digital Mailroom: Zweck
Sicherstellen, dass Eingangspost binnen definierter SLAs digital verfügbar ist, korrekt klassifiziert und revisionssicher abgelegt wird. Voraussetzungen: Berechtigung, Schulung, Zugriff auf Scan‑Arbeitsplatz und Mailroom‑System.
Schritte
Posteingang leeren und im Eingangsbuch registrieren (Datum/Uhrzeit/Kanal).
Sensible Post identifizieren (z. B. Personal, Betriebsrat, Compliance) und getrennt behandeln.
Physische Post öffnen, Beilagen prüfen, Klammern entfernen.
ggf. beim Dienstleister
Scannen nach Scanprofil; Barcodes/Index anwenden.
Automatische Klassifikation prüfen; Metadaten ergänzen (Dokumenttyp, Absender).
QC durchführen (Stichprobe bzw. 100% bei kritischen Klassen).
Dokument in richtigen Workflow übergeben; Benachrichtigung auslösen.
Papieroriginal gemäß Regelwerk verwahren oder zur Vernichtung freigeben; Vernichtung dokumentieren.
SOP – Poststelle / Digital Mailroom: Zweck
Formale und rechnerische Verarbeitung, Steuer-/Dublettensicherheit, SLA‑Einhaltung und Lieferantenkommunikation. Grundsatz: Standardfälle laufen regelbasiert; Ausnahmefälle werden strukturiert geklärt.
Schritte (Standardfall)
1) Neue Rechnung im Workflow prüfen (Formatstatus/Validierung).
2) Pflichtfelder und Plausibilitäten prüfen (automatischer Check; manuelle Sicht nur bei Exceptions).
3) Dublettenwarnungen bearbeiten.
4) Matchingstatus prüfen: PO/SES/GR.
5) Bei Match OK: Workflow an sachliche Freigabe (FM/Budget) routen.
6) Nach Freigabe: Buchungssatz erzeugen und in ERP übergeben.
7) Skonto-/Zahlungsbedingungen prüfen; Zahlungsdatum optimieren.
8) Archivstatus kontrollieren.
9) KPI‑Einträge/Exception‑Codes setzen (für Reporting).
Schritte (Exceptionfall):
A) Fehlende PO/Referenz: Lieferant und/oder Einkauf kontaktieren; Rechnung in Klärstatus setzen.
B) Preisabweichung: Abgleich Vertrag/PO; ggf. Nachtrag anfordern.
C) Fehlender Leistungsnachweis: FM‑Fachprüfung anfordern.
D) Bankdatenänderung: separater Kontrollprozess (4‑Augen, Verifikation).
E) Mahnung: Zahlungsstatus prüfen, Statusmeldung an Lieferant, Priorisierung bei Verzug.
Zweck
Sicherstellen, dass nur vertragsgemäße, mängelfreie Leistungen bezahlt werden und dass die Kosten sachgerecht (Objekt/Anlage/Projekt) zugeordnet sind.
Schritte
Workflow‑Benachrichtigung öffnen; Rechnungsbeleg + Auftrags-/Objektbezug prüfen.
Leistungsnachweis prüfen (Wartungsprotokoll, Störungsbericht, Aufmaß, Stundenzettel).
Vertrag/Konditionen prüfen: Einheitspreise, Pauschalen, Materialzuschläge, Anfahrten.
Abweichungen dokumentieren; ggf. Reklamation/Nachtrag auslösen.
Sachliche Freigabe erteilen oder ablehnen (mit Begründungscode).
Bei Ablehnung: Lieferant über AP informieren; ggf. Ticket zur Mängelbeseitigung anlegen.
SOP – Budgetverantwortliche / Freigabestufe 2
Sicherstellen, dass Budgets eingehalten, Kostenentwicklungen gesteuert und Freigabegrenzen eingehalten werden.
Materielle Vorteile lassen sich in Euro oder Zeit ausdrücken. Typische Hebel:
Reduktion der Prozesskosten je Rechnung (FTE‑Zeit, Nachbearbeitung, Postlauf).
Skonto‑Realisierung und Vermeidung von Verzugszinsen/Mahnkosten.
Reduktion von Papier-, Druck-, Porto- und Lagerkosten.
Vermeidung von Dublettenzahlungen.
Schnellere Periodenabschlüsse (weniger Rückstellungen wegen unklarer Verbindlichkeiten).
Praxisbeispiele zeigen, dass allein die Umstellung von papierbasierter Umlaufmappe auf digitale Freigabe signifikant Ressourcen freisetzt und Bearbeitungszeiten senkt; die frühe Digitalisierung (statt spätem Scannen) erschließt zusätzliches Potenzial durch Datenextraktion und Workflow‑Routing.
Immaterielle Vorteile (strategisch)
Transparenz: Jede Rechnung hat einen Status; Durchlaufzeiten und Engpässe sind sichtbar.
Qualität: Einheitliche Regeln senken Fehler; Wissen ist weniger personenabhängig.
Compliance & Audit‑Readiness: GoBD‑konforme Verfahrensdokumentation, Audit‑Trail, eindeutige Nachweise.
New Work: Ortsunabhängige Freigaben, Vertretungsregeln, asynchrone Zusammenarbeit.
Arbeitgeberattraktivität: Moderne, digitale Arbeitsweisen reduzieren monotone Tätigkeiten.
Resilienz: Bei Ausfall einzelner Personen oder Standorte bleibt der Prozess steuerbar.
Im FM wirkt der Nutzen dreifach:
Objekt-/Anlagensteuerung: Kosten werden schneller und genauer dem Objekt/der Anlage zugeordnet.
Dienstleistersteuerung: Wartungs- und Störungsleistungen werden besser nachweisbar und auswertbar.
Projektsteuerung: Nachträge/Abschläge werden transparent; CAPEX‑Budgets sind kontrollierbar.
Ein bewährtes Vorgehensmodell umfasst sechs Phasen:
1) Ist‑Aufnahme (Prozess, Volumina, Systeme, Rollen, Sonderfälle)
2) Soll‑Design (Zielbild, Regelwerk, RACI, IKS, KPI)
3) Pilot (ein Standort/Objekt, definierte Lieferantencluster)
4) Roll‑out (schrittweise Skalierung, Lieferanten-Onboarding)
5) Stabilisierung (KPI‑Board, Fehlerkorrektur, Schulung)
6) Optimierung (Automation ausbauen: Matching, Stammdaten, RPA/AI‑Assist)
Wichtig ist, die Ist‑Analyse nicht idealisiert darzustellen, sondern so aufzunehmen, wie sie wirklich gelebt wird, um die realen Potenziale (z. B. Skonto) zu quantifizieren.
Quick Wins (typisch)
Zentrale Rechnungsadresse und Lieferantenkommunikation (Pflicht: PO‑Nummer, korrekte Firmierung).
Einführung eines einheitlichen Eingangsbuchs und SLA‑Monitoring.
Frühzeitiges Scannen (ersetzendes Scannen) statt spätem Archivscan.
Vertretungsregelungen und digitale Freigaben (mobile).
Standardisierte Exception‑Codes (Ursachenanalyse) und KPI‑Cockpit.
Change‑Management und Arbeitsorganisation
Ortsunabhängigkeit: Aufgabenlisten, Freigaben, Recherchen sind remote möglich.
Asynchronität: Freigaben sind nicht an physische Umläufe gebunden.
Transparenz: Status und Verantwortlichkeiten sind sichtbar; Vertretungen greifen ohne „Aktenübergabe“.
Kompetenzentwicklung: Wegfall monotoner Tätigkeiten schafft Raum für Lieferantensteuerung, Datenqualität, Prozessverbesserung.
Erfolgsfaktor ist ein klares Rollenverständnis und Training: Mitarbeitende müssen wissen, welche Prüfungen weiterhin menschlich erforderlich sind und wo das System bereits prüft.
Datenschutz und Mitbestimmung
Bei Einführung workflowgestützter, transparenter Systeme sind Datenschutz und ggf. betriebliche Mitbestimmung frühzeitig einzubinden. KPIs sollten prozessbezogen sein und nicht zur Leistungsüberwachung einzelner Personen missverstanden werden. Zugriff auf personenbezogene Daten ist zu begrenzen und zu protokollieren.
Diese Vorlage wird an Lieferanten kommuniziert und in Verträgen/Bestellungen referenziert:
Zentrale Rechnungsadresse (E‑Mail/Portal/Peppol‑Endpoint).
Zulässige Formate: E‑Rechnung nach EN 16931 (z. B. XRechnung, ZUGFeRD Profil EN 16931).
Pflichtangaben zusätzlich zu UStG: Bestellnummer/Auftragsnummer, Objekt-/Anlagenbezug, Leistungszeitraum.
Anlagen: Leistungsnachweise als Anhang (PDF) oder strukturierte Referenz.
Konsequenz: Rechnungen ohne Pflichtreferenzen werden zurückgewiesen oder in Klärstatus gesetzt.
Ansprechpartner für Rückfragen und Eskalation.
Checkliste formale Rechnungsprüfung
| Prüfpunkt | Ergebnis (OK / NOK / Kommentar) |
|---|---|
| Rechnungsempfänger korrekt (Firmierung, Adresse). |
|
| Rechnungsdatum vorhanden. |
|
| Eindeutige Rechnungsnummer vorhanden. |
|
| Leistungszeitpunkt/ zeitraum angegeben. |
|
| Leistungsbeschreibung ausreichend eindeutig. |
|
| Steuernummer/USt ID des Lieferanten vorhanden (sofern erforderlich). |
|
| Netto-/Brutto Beträge und Steuersätze plausibel. |
|
| Zahlungsbedingungen (Skonto/Ziel) vorhanden. |
|
| Bestell-/Auftragsnummer vorhanden (Unternehmensregel). |
|
| Dublettenkontrolle ohne Treffer. |
|
Checkliste sachliche Prüfung FM
| Prüfpunkt | Ergebnis (OK / NOK / Kommentar) |
|---|---|
| Objekt/Anlage korrekt zugeordnet. |
|
| Auftrags-/Ticketnummer stimmt. |
|
| Leistungsnachweis vorhanden (Protokoll, Bericht, Aufmaß, Stundenzettel). |
|
| Leistung vertragsgemäß (Umfang, Preise, Zuschläge). |
|
| Mängel dokumentiert? Reklamation ausgelöst? |
|
| Bei Notfall: Notfallgrund dokumentiert und Betragsgrenzen eingehalten. |
|
| Bei Projekt/Bau: Leistungsstand, Nachträge, Einbehalte geprüft. |
|
Ausnahmegründe (Exception‑Codes) – Katalog
Prüfpunkt Ergebnisübersicht
Dokumentierte Prüfergebnisse mit Status OK, NOK oder Kommentar ermöglichen transparente Bewertung und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen.
Ein Exception‑Code‑Katalog ist die Grundlage für Ursachenanalyse (Root‑Cause) und gezielte Prozessverbesserung. Jeder Klärfall erhält genau einen primären Code (und optional sekundäre Codes). Damit wird sichtbar, ob die Hauptursache z. B. fehlende Bestellnummern, Preisabweichungen, fehlende Leistungsnachweise oder Stammdatenprobleme sind.
Exception‑Code‑Katalog (Beispiel)
| Code | Bezeichnung | Definition | Owner | Maßnahmehebel |
|---|---|---|---|---|
| EX01 | Fehlende Bestell-/Auftragsnummer | Lieferant liefert ohne PO Referenz; Rechnung nicht matchbar | Lieferant/Einkauf | Lieferantenregel schärfen, Portal/No PO No Pay |
| EX02 | Preisabweichung | Rechnungspreis ≠ PO/Vertrag; Toleranz überschritten | Einkauf/FM | Nachtrag/Freigabeprozess, Preisstammdaten |
| EX03 | Mengenabweichung | Menge ≠ GR/SES | FM/Logistik | Leistungserfassung verbessern, GR/SES zeitnah |
| EX04 | Fehlender Leistungsnachweis | Wartungsprotokoll/Report fehlt | FM | Pflichtanlage im Ticket/CAFM, Lieferantenanforderung |
| EX05 | Rechnung formal unvollständig | Pflichtangaben nach UStG fehlen | Lieferant | Zurückweisung + Mustertext |
| EX06 | Dublettentreffer | Rechnung bereits vorhanden/bezahlt | AP | Lieferant informieren, Sperre |
| EX07 | Stammdatenproblem | Kreditor nicht eindeutig, IBAN Konflikt, USt ID fehlt | AP Stammdaten | Master Data Prozess, 4 Augen Check |
| EX08 | Projekt/Bau: Nachtrag unklar | Nachtrag nicht freigegeben oder dokumentiert | Projektleitung | Nachtragsworkflow, Dokumentation |
| EX09 | Notfallprozess unvollständig | Notfallgrund nicht dokumentiert, Schwellenwerte überschritten | FM Leitung | After Action Review, Schulung |
| EX10 | Sonstiges | Nicht in Katalog abbildbar (max. 5%) | AP | Katalog nachschärfen |
SLAs und Eskalationsmatrix
SLA-Überwachung
Transparente SLA-Überwachung zeigt Status, Eskalationen und Abweichungen zur verlässlichen Steuerung von Serviceleistungen.
SLAs sind das Rückgrat der Prozesssteuerung – besonders bei dezentralem Arbeiten. Sie definieren, wann ein Vorgang überfällig ist, und lösen Eskalationen aus. Eskalationen sollten stufenweise erfolgen (z. B. Teamlead → Bereichsleitung → Management).
| Objekt | Messpunkt | SLA | Owner | Eskalation an |
|---|---|---|---|---|
| Posteingang (physisch) | Eingang → digital verfügbar | 24 Stunden | Poststelle Lead | FM/AP Lead |
| E Mail/E Rechnung | Eingang → im Workflow registriert | 1 Stunde | AP Team | AP Leitung |
| Formale Prüfung | Registriert → formal OK/Exception | 1 Arbeitstag | AP Team | AP Leitung |
| Matching | Formal OK → Match OK/Exception | 1 Arbeitstag | AP Team | Einkauf/FM |
| Sachliche Freigabe | Zuweisung → Freigabe/Zurückweisung | 3 Arbeitstage | FM Fach | FM Leitung |
| Budgetfreigabe 2 | Zuweisung → Entscheidung | 2 Arbeitstage | Budgetv. | Bereichsleitung |
| Zahllauf | Gebucht → Zahlung | gemäß Zahlungsziel | Treasury/AP | CFO/Finanzleitung |
| Mahnungen | Eingang → Statusmeldung/Entscheidung | 2 Arbeitstage | AP Team | AP Leitung |
Mindestdatensatz (Indexfelder) für FM‑Belege
Mindestdatensatz Indexfelder
Definierte Indexfelder sichern strukturierte Erfassung, eindeutige Zuordnung und effiziente Weiterverarbeitung von Dokumenten in digitalen Prozessen.
Für eine hohe Automatisierungsquote benötigt das Unternehmen einen Mindestdatensatz, der aus Rechnung, Bestellung/Vertrag und FM‑Kontext zusammengeführt wird. Diese Indexfelder sind nicht „nice to have“, sondern Grundlage für Matching, Reporting und Audit.
Mindestdatensatz / Indexfelder (Beispiel)
| Feld | Zweck |
|---|---|
| Beleg-ID | Eindeutige interne ID (Workflow) |
| Kreditor-ID | Eindeutige Lieferantenkennung |
| Rechnungsnummer | Eindeutige Lieferanten Belegnummer |
| Rechnungsdatum | Datum der Rechnung |
| Leistungszeitraum | von/bis oder Leistungsdatum |
| Bestell-/Auftragsnummer | PO/Call off/Notfall PO |
| Vertragsnummer | Rahmenvertrag/Einzelvertrag |
| Objekt/Standort | Gebäude/Standortcode |
| Anlagen-ID | Technische Anlage (sofern zutreffend) |
| Gewerk | z. B. Elektro, HLS, Bau, Reinigung |
| Kostenstelle | Kostenträger der Organisation |
| Projekt/PSP | bei Projekten/Bau |
| Beträge (Netto, USt, Brutto) | inkl. Währung |
| Zahlungsbedingungen | Skonto/Zahlungsziel |
| Dokumentklasse | Rechnung, Mahnung, Gutschrift, Vertrag, Nachtrag |
Die Matrix unterstützt die korrekte Typisierung von FM‑Rechnungen und die Auswahl des passenden Workflows.
| Falltyp | Typische Referenz | Pflichtnachweise | Matching-Logik | Ausnahmen |
|---|---|---|---|---|
| Wartung (vertraglich) | Rahmenvertrag/Blanket PO | Vertrags-/Terminplan, Wartungsprotokoll | Vertragsmatch + SES | Wartung außerplanmäßig, Zusatzleistungen |
| Notfall/Störung | Notfall PO / Ticket | Störungsbericht, Arbeitsnachweis | Ticketmatch + Freigabe | Betrag > Schwelle, fehlende Dokumentation |
| Projekt/Bau (Abschlag) | Projekt PO/Vertrag | Aufmaß, Leistungsstand, Nachträge | Projektmatch + Teilabnahme | Nachtrag nicht freigegeben, Einbehalt |
| Projekt/Bau (Schluss) | Projekt PO/Vertrag | Abnahmeprotokoll, Mängelliste | Schlussrechnungscheck | Mängel offen, Sicherheitseinbehalt |
